Bericht von Heinrich Metzger (Anstalt Zwiefalten) an die französische Militärregierung

Es waren immer drei dunkelblau angestrichene große Omnibusse mit undurchsichtigen Fensterscheiben mit je 26 Plätzen. Jeder Transport umfaßte demnach 75 bis 78 Patienten. Die Kleider der abgelieferten Patienten kamen meist schon am nächsten oder übernächsten Tag anläßlich einer weiteren Abholung mit denselben Autos zurück und wurden teilweise vor der Anstalt im Freien, teilweise auch innerhalb der Anstalt abgeladen und in wirrem Durcheinander in Haufen aufgeschichtet. Für jeden Einsichtigen war damit klar, was mit den abgeholten Kranken geschehen war. Später wurden die Kleider der NSV (Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) in Münsingen zur Verfügung gestellt. Das Begleitpersonal, und namentlich das weibliche, machte durchweg einen auffallend abstoßenden Eindruck von schlechten, verrohten Menschen. In Grafeneck sollen von diesen Menschen bei Trink-, Zech- und Tanzgelagen wüste Orgien gefeiert worden sein.

Die Kranken selbst wurden von dem Zwiefalter Direktor Dr. Stegmann belehrt, daß sie in eine andere Anstalt kommen, wo es schöner sei und sie ein besseres Essen bekommen. Sie gingen deshalb gerne und teilweise freudig in die Autos. Später, als die Wahrheit durchsickerte, gab es böse Szenen und mußte öfters Zwang angewendet werden.

Bericht von Heinrich Metzger; Ökonomieverwalter der Anstalt Zwiefalten, an die französische Militärregierung, Altregistratur des ZfP Zwiefalten. Aus: Johannes May u.a., Euthanasie in den Staatlichen Heilanstalten Zwiefalten und Schussenried, Zwiefalten 1991, S. 27f.